Zurück zur "Magie der Wirklichkeit"
ROBERT MILLA
Milla-Mania in Köln!

Bei seinem Liederabend in der Kölner Oper kam es bereits nach dem ersten Song zu einem Ohnmachtsanfall! Ob das mit seinen erotisierenden Texten zu tun hat?


Es liegt in der Natur der Sache, dass man, wenn man sich - selbst als (Hobby-)Journalist - mit einem Magazin wie www.smago.de so einigermaßen einen Namen gemacht hat in der Branche viele, viele Einladungen zu Konzerten, CD-Präsentationen und so weiter bekommt. Es gibt Offerten für Veranstaltungen, die sagt man gleich höflich ab. Weil man nicht kann. Oder/und nicht will. Es gibt "Events", da fährt man in erster Linie nur deswegen hin, weil man weiß, dass es da lecker Essen gibt... Den "Event" selbst nimmt man halt gezwungermaßen mit in Kauf und tut sich, sich zwischenzeitlich immer wieder am üppigen Büffet labend, der Höflichkeit halber - quasi Alibi-mäßig - auch Künstler an, die man eigentlich gar nicht sehen - geschweige denn: hören - möchte.

Es gibt aber auch Konzerte, zu denen man ganz besonders gerne geht, auf die man sich sogar Monate im voraus freut. In die letztgenannte Kategorie fiel in jedem Fall die Einladung zu einem Liederabend von und mit ROBERT MILLA, dem "Josef Locke des 3. Jahrtausends". Er zog mit seinem in jeder Beziehung bis auf i-Tüpfelchen ausgefeilte Programm "Die Magie der Wirklichkeit" die Konzertbesucher von der ersten Sekunde an in seinen Bann. Mosaiksteinartig wurden einzelne Komponenten zu einem Gesamtkunstwerk zusammengesetzt.

In einem ungewöhnlichen Konzertabend der Kölner Oper präsentiert Robert Milla seine Lieder in neuer Form, nicht wie von seinen CD-Einspielungen gewohnt in aufwändigen Orchester- und Synthesizerarrangements, sondern in klassischen Klavierbearbeitungen, für die er wiederum selbst verantwortlich zeichnet. "Monatelang habe ich Tag und Nacht an den Klavier-Arrangements gefeilt. Es war mir wichtig, in den Pianoparts die Originalität der Kompositionen zu bewahren," sagt Milla, der den besonderen Reiz des Programms darin sieht, in der musikalisch intimen Atmosphäre eines Liederabends seine Songs durchsichtig, hautnah und vor allen Dingen "unplugged" präsentieren zu können.

Soweit ein Auszug aus der Presseinformation. Robert Milla, der mit seinem Bombast-Crossover-Pop mehr und mehr Musikfans begeistert, trat diesmal sozusagen "nackt" vor sein Publikum - lediglich begleitet von der bezaubernden Star-Pianistin Elzbieta Kalvelage sowie, bei zwei Liedern, von der bekannten Sopranistin Mariola Mainka.

Das Motto des Abends, "Die Magie der Wirklichkeit", zog sich wie ein roter Faden durch das gesamte und sehr, sehr gut durchdachte Programm.

"Musik lässt uns Liebe spüren", befand der Künstler gleich zu Beginn. Als er gerade den zweiten Titel ("Ein Fischer namens Jan") ansagte - es geht darin um einen alten Fischer namens Jan, der eines Tages ohnmächtig auf seinem Kahn zusammenbricht -, passierte es: Eine Dame aus dem Publikum hatte die Worte Robert Millas offensichtlich so verinnerlicht, dass sie prompt in Ohnmacht fiel. Musik lässt uns also gelegentlich auch Ohnmacht spüren...

Das Konzert musste kurzzeitig abgebrochen werden. Und das nach erst einem Song... Das ging ja gut los...

Weiter ging es mit den Werken "Say Goodbye", "Die Wirklichkeit sind wir" und "Schneegestöber". Mit den Worten "Und jetzt kommt das Schneegestöber" sagte Milla ausgesprochen charmant seine Duettpartnerin an: die Sopranistin Mariola Mainka. Zusammen sangen sie den traumhaft schönen Song "Sonne und Mond". Und schon war "das Schneegestöber" wieder verschwunden...

"Alles was ich war" brachte der Künstler nun dar.

Beim nächsten Titel ("Das Leben ist schön") amüsierten sich einige im Saal derweil köstlich über die unfreiwillige Komik, die sich "am Flügel" abspielte. Der Pianistin Elzbieta Kalvelage hatte man nämlich einen "persönlichen-Partitur-Umblätterer" zur Seite gestellt, der auf Kopfnicken der Künstlerin auf die jeweils zwei nächsten Seiten umblätterte. An einer Stelle herrschte offensichtlich Uneinigkeit zwischen der Pianistin und ihrem persönlichen Assistenten, ob denn jetzt schon umgeblättert werden soll oder doch noch nicht... Dennoch sei zu ihrer Ehrenrettung gesagt, dass sie sich nicht "verspielte"... Dieter Bohlen wäre an diesem Liederabend schier verzweifelt, weil es nichts, aber auch rein gar nichts zu beanstanden gab: So "versemmelte" Robert Milla keinen einzigen Ton auch nur im Ansatz, auch die Pianistin "verklimperte" sich so gut wie nie. Es zeugt durchaus von einer gewissen Tragik, dass ein anderer recht bekannter Komponist und Produzent Robert Milla vor einiger Zeit geraten haben soll, sich doch eher Richtung "Capri Fischer" zu orientieren. Für diese Unverschämtheit sollte man dem direkt das Mundwerk versiegeln...

Mit "Das Leben ist schön" verabschiedete der 40-jährige Crossover-Künstler sein ihm stets ergriffen lauschendes Publikum in die Pause. Apropos Publikum: Die Fans der Musik und des Künstlers Robert Milla lassen sich ebenso wenig in Zielgruppen eingrenzen, wie sich Millas Musik in Schubladen stecken lässt. Von 20 bis 80 war alles da. Während des Vortrags hätte man eine Stecknadel fallen hören. Der Philosoph der zarten Töne begeisterte seine Zuhörer von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Nach der Pause setzte Robert Milla "Die Magie der Wirklichkeit" mit "Wolken im Wind", "Ich träum' von dir" und "A Normal Life" fort. Für "Das Meer der Zeit", einem unter die Haut gehenden Song aus seinem Musical "Laura", holte er noch einmal die großartige Mariola Mainka auf die Bühne. Die tragische Geschichte: Eine Familie hat sich in einem englischen Landhaus eingemietet, um dort die Sommerferien zu verbringen. Die 7-jährige Tochter Laura bricht beim ersten Betreten des Hauses zusammen und erleidet einen Erstickungsanfall. Auftakt einer Kette mysteriöser und unglaublicher Ereignisse...

Textlich etwas deutlicher ging Milla in "Es muss Liebe sein" zur Sache: "Es muss Liebe sein - pure Lust ist mir nicht genug", "Es muss Liebe sein - Sex ohne Gefühl ist Betrug", "Es muss Liebe sein - anders kann ich mich nicht verlier'n", "Es muss Liebe sein - das, nichts and'res möchte ich spür'n". Eine wahre Meisterleistung deutscher Textdichterkunst. 08/15-Love Songs finden nun mal keinen Platz im Repertoire des Robert Milla. "Es muss Liebe sein" ist das schönste, das packendste Liebeslied, das Udo Jürgens nie geschrieben hat! Gegen diese poetischen Lyrics sieht selbst ein Roland Kaiser echt alt aus. Und Kaiser schreibt sehr gute Texte...

Ein leises Raunen ging durch den Saal, als Milla nach dem Vortrag des Titels "Schläfer" mit "Mein Herz sagt leise ja" einen weiteren großen Radiohit anstimmte. Mit "Lebe jetzt!" endete das offizielle Programm des Liederabends "Die Magie der Wirklichkeit". Milla empfahl seinem Publikum, den Geist nicht nur in der Vergangenheit oder in der Zukunft schweifen zu lassen, sondern sich auf den Augenblick zu konzentrieren, denn: "Der Augenblick ist das wichtigste Geschenk im Leben".

Überhaupt regte Milla in seinen dezent vorgetragenen Ansagen zum Nachdenken an ("Der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes"), er erklärte beispielsweise auch, warum er an die Unsterblichkeit der Seele glaubt. Das Mischungsverhältnis Musik - Moderation stimmte hundertprozentig.

Wie zu erwarten war, gab es nach "Lebe jetzt!" standing ovations. Insgesamt gab der Künstler drei Zugaben: "Himmelsstürmer", "Without You" und "Sevilla".

Es tut gut, dass es in Zeiten durch und durch gecasteter künstlicher "Superstars" noch authentische, ihr Handwerk noch richtig perfekt beherrschende, Sänger wie Robert Milla gibt. Nichts, aber auch gar nichts, wirkte aufgesetzt oder gar unecht an ihm und seinem gleichwohl nachdenklich-besinnlichen wie auch unterhaltsam-kurzweiligen Programm. Milla füllte nicht nur mit seiner grandiosen Stimme, sondern auch mit seiner Herzlichkeit den ganzen Saal aus.

Die Bescheidenheit des durch und durch sympathischen Künstlers lässt sich alleine schon an dem Getränk feststellen, an dem er zwischen den Liedern immer wieder mal nippte: Stilles Mineralwasser vom Penny Markt, 0,25.- €/1,5-Liter-Flasche. täglich - zumindest rein theoretisch - in Champagner baden zu können. Speziell dieser Künstler - und vor allem: dieser Mensch - sollte eigentlich - zumindest rein theoretisch - bald täglich in Champagner baden dürfen.

Der großen Nachfrage wegen wurde für den 4. Mai bereits ein Zusatzkonzert angesetzt. Zudem kann man Robert Milla mit seinem Programm "Die Magie der Wirklichkeit" am 21. März im Rahmen der Kulturtage des Lions Hilfswerk Düren auf Schloß Burgau genießen. Für diesen Zusatztermin hat sich bereits Konzert-Impressario Manfred Hertlein (Manfred Hertlein Veranstaltungs GmbH) angekündigt. Hoffentlich bekommt der keinen Schreck, wenn er mal einen richtigen Sänger hört...

smago! sagt DANKE für diesen einmaligen und weit mehr als gelungenen Abend.

03.03.2004